Trauerreden
Wie eine Rede entsteht
Nach dem Gespräch mit Ihnen lasse ich meine Notizen erst einmal liegen. Das Gespräch darf nachwirken.
Ich versuche, mich ganz persönlich in das Leben des Menschen einzufühlen, der gestorben ist. Ich stelle mir vor, wie dieses Leben war: die Beziehungen, der Alltag. Ich höre die Musik, die für die Trauerfeier ausgesucht wurde, und lese mich ein: in Hobbys, in eine Herkunftsregion, in einen Beruf.
Oft bin ich dann ganz in Gedanken versunken, egal ob ich in der Bahn sitze, an der Ampel stehe oder die Spülmaschine ausräume. Es ist ein bisschen so, wie wenn ich einem lieben Menschen schreibe: Ich bin fokussiert, gehe in Kontakt und lächle meistens dabei.
Und dann passiert es. Die Rede setzt sich Stück für Stück in meinem Kopf zusammen.
Bevor ich tatsächlich anfange zu schreiben, schaue ich, was es vorher noch braucht:
- Manchmal einen Gang in die Natur, weil dieser Mensch die Natur so liebte.
- Manchmal einen Kaffee, weil Kaffee für sie einfach dazugehörte.
- Manchmal eine Kerze, weil er oder sie bei Kerzenschein so gern entspannt hat.
- Manchmal klassische Musik, weil das die Wohlfühlmusik war.
Diese Rituale helfen mir, mich nicht nur in Sie, sondern auch in Ihren geliebten Menschen einzufühlen.
Gemeinsam
Als fremde Person schaue ich mit eigenem Blick auf den Menschen, der gestorben ist. Ich versuche, Facetten wahrzunehmen, das Leben und die Beziehungen zu erfassen. Und Ihre Wünsche.
Ich fühle mich behutsam in Ihr Leben hinein und bleibe gleichzeitig in einer guten Distanz.
Wenn ich Ihnen dann den Entwurf zuschicke, schauen Sie noch einmal ganz genau hin. Denn Sie sind diejenigen, die wirklich nah dran sind.
Warum ich nur ein bis zwei Feiern pro Woche übernehme
Einlassen braucht Zeit und Raum, auch in mir. Wenn ein Leben mit all dem, was da war, gewürdigt werden soll, dann geht das nicht am Fließband. Deshalb begleite ich bewusst nur ein bis zwei Trauerfeiern pro Woche.
„Sie hat mit verschiedenen Menschen über meine Mutter gesprochen, um ein vielfältiges Bild zu bekommen. Das hat man während der Rede deutlich gemerkt.“
Jede Rede schreibe ich selbst
Keine meiner Reden entsteht mit künstlicher Intelligenz. Ich schreibe jeden Text selbst, aus dem, was Sie mir erzählt haben.
KI nutze ich wie andere Hilfsmittel auch, um etwas nachzuschlagen oder Organisatorisches zu erledigen. Was Sie mir über Ihren Menschen anvertrauen, gebe ich in kein Programm ein.
