Zum Lesen
Verbunden bleiben
In Trauergesprächen stelle ich immer eine Frage: „Was war die Hoffnung Ihres verstorbenen Menschen, und was ist Ihre Hoffnung oder Idee, wo die Person jetzt ist?“
Es ist eine spannende Frage, denn tatsächlich können wir ja gar nicht sicher wissen, wie es weitergeht. Die Antworten sind sehr verschieden. Eine Spur, die dabei oft auftaucht, ist der Gedanke der Verbundenheit. Und auch da gibt es unterschiedliche Vorstellungen davon, wie diese aussehen kann.
Verbunden durch die Erinnerung
Wir bleiben verbunden durch das, was war: durch Erinnerungen, die bleiben und die uns niemand nehmen kann.
Verbunden durch das Erbe
Verbundenheit kann auch dadurch bestehen bleiben, dass wir Dinge im Sinne dieses Menschen übernehmen oder weiterentwickeln, ein Projekt weiterführen zum Beispiel. In unseren eigenen Werten, in einer Geste, die wir übernommen haben, spüren wir: Ein Teil dieses Menschen ist durch das, was er uns mitgegeben hat, in uns selbst lebendig geblieben.
Ein neuer innerer Platz
Im Gegensatz zu früher, als man dachte, man müsse „loslassen“, wissen wir heute: Wir müssen nicht loslassen, sondern dürfen verbunden bleiben. Dabei geht es nicht um eine physische Anwesenheit, sondern darum, dem geliebten Menschen einen neuen, inneren Platz zu geben. Es gilt, eine innere Beziehung zu gestalten und ihn dort zu bewahren, während man gleichzeitig lernt, in der äußeren Realität ohne ihn zu leben.
Echte Präsenz
Das ist die Form der Verbundenheit, bei der Menschen das Gefühl haben, der geliebte Mensch ist wirklich noch da, nur auf eine ganz andere Weise. Man spürt eine Anwesenheit im Raum oder erkennt ihn in Zeichen der Natur wieder, in einem besonderen Geruch, einem Windhauch oder einem Stern am Himmel.
Es gibt ganz verschiedene Überzeugungen und Möglichkeiten. Mal passt vielleicht das eine, mal etwas anderes.
Zum Weiterlesen
- Ina M. König: Die Liebe hört niemals auf. Verbundensein über den Tod hinaus.
- Roland Kachler: Meine Trauer wird dich finden. Ein neuer Ansatz in der Trauerarbeit.
Weil die Liebe niemals aufhört.
